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Am 4. August 1989 erging an vier eingeladene Architekturbüros ein Studienauftrag für den Neubau des Kirchner Museums. Am 20. Oktober erfolgte die einstimmige Entscheidung der Jury für den Entwurf der Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer. Die Grundsteinlegung fand am 5. April 1991 statt. Am 4. September 1992 wurde das Museum eröffnet. Bauherr war die Ernst Ludwig Kirchner Stiftung Davos; das Gebäude selbst ist eine Schenkung der Familienstiftung Benvenuta.

Das Kirchner Museum Davos war der erste grosse Auftrag, den Annette Gigon und Mike Guyer zur Ausführung brachten. Inzwischen gilt es als wegweisend für eine neue Auffassung in der Museumsarchitektur, die Funktionalität und Ästhetik, architektonische Eigenwertigkeit und Dienst an der Kunst auf aussergewöhnliche Weise verbindet.

Ausgehend von den regionalen Gegebenheiten (Klima- und Lichtverhältnisse, Davoser Flachdacharchitektur), aber vor allem vom Gedanken an die Optimierung der Begegnung von Mensch und Kunstwerk, entwarfen die Architekten vier Kuben (die Ausstellungssäle), verbunden durch eine verzweigte, mit breiten Fensterfronten versehene Wandelhalle, die zum Ort der Besinnung wird - und zugleich einen Ausblick auf die für das Schweizer Werk Kirchners so prägende alpine Landschaft gestattet.

Über den Sälen ist jeweils ein Lichtgaden angeordnet, durch dessen seitliche Glasfronten das mehrmals gefilterte Tageslicht gleichmässig in den Räumen verteilt wird. Im Untergeschoss befinden sich die Funktionsräume des Museums.

Gigon und Guyer erschufen aus den Materialien Glas, Beton, Stahl und Holz ein einerseits zwar auf das Wesentliche reduziertes, kristallines Gebäude; in der äusserst sensiblen Kombination eben dieser Baustoffe gelangten sie andererseits zu raffinierten und komplexen architektonischen Formulierungen, welche die bewusst eingesetzte Schlichtheit des Kirchner Museums, seiner Hülle und seiner Innenräume, in ein gebautes Äquivalent zur malerischen Ausdruckskraft des Künstlers verwandelt.

Gerade in der Konzentration auf das Eigentliche - Wand, Raum und Licht - bietet das Bauwerk der farbenprächtigen Kunst ein ideales Umfeld, wie es auch immanent den künstlerischen Intentionen Kirchners entspricht: aus dem Wesentlichen - Leinwand, Pinsel und Farbe - ein Kunstwerk zu erschaffen, das Welt zugleich reflektiert und erfindet.

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